Mein Kind ist einfach „nur“ Mittelmass – Gott sein Dank!

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Gestern waren wir im Hallenbad. Da habe ich den Vater einer ehemaligen „Ballettkollegin“ meiner Tochter angetroffen. Vor etwa 5 Jahren waren die beiden Mädchen gemeinsam in einem Ballettkurs. „Schön euch mal wieder zu sehen“, sagte ich, „wie geht es euch?“

Eine halbe Stunde später bereute ich diese Frage mächtig!

Des langen und breiten wurde mir erklärt, wie die kluge Tochter mittlerweile eine Klasse übersprungen und gerade von der Primar- auf die in die Gymnasialstufe (bei uns Niveau P) gewechselt hat. Die Jüngste ist sie in ihrer Klasse und den Anderen doch weit voraus. Ja und im Moment trainiert sie im Schwimmbecken nebenan, um es an die Nationale Schwimmelite zu schaffen. Daneben reitet sie und nimmt Musikunterricht, blablabla!!

Und dann kam es: „Und was macht Deine Tochter so?“ Ähm, ja also sie spielt gerade mit ihrer Freundin im Sprudelbad – ansonsten geht es ganz ok in der Schule und einmal die Woche turnt sie im Sportverein bei uns im Dorf.

Das wars, den war ich los. Gott sei Dank! Offensichtlich war eine Diskussion mit einer „Mittelmassmama“ einfach nicht interessant genug. Wobei er dann wahrscheinlich mit relativ wenigen Eltern eine für seinen Geschmack interessante Unterhaltung führen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass der IQ von einem Kind (der einem  Erwachsenen) merklich nach oben oder unten abweicht liegt bei ca. 5% – die restlichen 95% der Menschheit ist eben eher Durchschnitt und das ist wohl auch ganz gut so. Um sich im Leben gut zurecht zu finden, ist es wahrscheinlich besser viele Dinge einfach nur gut zu können als in einigen Dingen genial zu sein.

Dieser Perfektionsanspruch ist meiner Meinung nach ein sicherer Weg sich selbst und andere unglücklich zu machen. Wenn man sich selber nie gut genug ist, sondern sich und seine Kinder ständig mit anderen vergleicht, kann man nur verlieren. Man findet nämlich immer jemanden der noch gescheiter, talentierter, reicher, ec. ist.

Ausserdem je mehr man die Kinder zu Höchstleistungen züchtet, umso mehr wird das Mittelmass künstlich angehoben – denn ein Kind kann nur als Besonders herausragen, wenn das Normale den Masstab bildet. Deshalb nerven mich solche Eltern ziemlich!

Mich wundert es jedenfalls nicht, dass Depressionen mittlerweile sogar bei Kindern auf dem Vormarsch sind.

Und während das arme Mädchen Länge um Länge unter den Adleraugen der Mutter trainierte – ging ich dann mit meinen Kindern nochmals auf die Rutschbahn. Und ich fühlte mich super dabei – denn ich bin froh, dass wir einfach nur Mittelmass sind!

 

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